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Ein Gast erhält das Wort: Florian Schlund

Gepostet am Jul 30, 2013 von | 1 Kommentar

strobefront_mehlshooting-5

Ich starte eine neue Kategorie auf meinem Blog. Ich möchte gern ein kleines Netzwerk mit Fotobloggern aus der Region aufbauen. Dabei ist es mir relativ gleich ob nur Fotos gebloggt werden oder die “Kollegen” auch interessante Beiträge rund um das Thema Fotografie schreiben. Für mich liegt der Sinn darin, die Region ein wenig zu versammeln. Auf meinem Blog werde ich dann immer mal wieder einen Gastbeitrag zeigen und ich werde auch eine kleine Linkliste in der Navigationsleiste aufbauen. Den ersten Beitrag liefert mir Florian Schlund, der seinen Blog “Strobe Front” nennt. Er lebt in Bamberg und schreibt hier über das Thema:

 

“Highspeed-Fotografie mal anders”.

 

florian-schlund

Zuerst möchte ich Alexander danken, dass ich auf seinem tollen Blog einen kleinen Beitrag über mich und meine Arbeiten, aber insbesondere über ein ganz spezielles Projekt veröffentlichen darf. Ich bin 19 Jahre alt, fotografiere seit knapp 3 Jahren und habe, so würde ich das zumindest sagen, die „Standard-Entwicklung“ eines Amateurfotografen durchgemacht. Angefangen habe ich mit einer – selbst für 2009 – schon relativ alten Canon EOS 350D mit Kit-Objektiv. Zum Einstieg reicht das völlig aus, ohnehin fotografiert man am Anfang ja so ziemlich alles, was einem vor die Linse kommt. Rückblickend war wirklich alles dabei, von Landschaft, über Autos und Stillleben bis hin zu einigen ersten Gehversuchen im Bereich der Portraitfotografie. Irgendwann kam dann auch der Punkt, an dem man der Meinung ist, man könnte bessere Bilder machen, indem man sich eine bessere Kamera kauft. Dieses „Problem“ wurde mit der Canon EOS 60D gelöst, mit der auch eine Rundumerneuerung des Objektiv-Parks durchgeführt wurde. Doch im Nachhinein wäre es sicherlich besser gewesen, sich zuerst auf einen Schwerpunkt festzulegen und dann über mögliche Neuanschaffungen von Objektiven nachzudenken. Aber so wurde es dann neben der neuen Kamera doch wieder ein Standardzoom (Tamron 17-50 f2.8) und ein Teleobjektiv. Vom Equipment her hatte sich streng genommen also nichts geändert, abgesehen davon, dass die Technik auf aktuellen Stand gebracht wurde. Viel mehr Möglichkeiten bot die neue Ausrüstung nicht, dennoch war der erste qualitative Eindruck der Bilder aus der neuen Kamera doch deutlich besser als die verrauschten Bilder der 350D. Mein Stil, sofern man zu diesem Zeitpunkt – wir befinden uns mittlerweile Anfang 2012 – überhaupt schon von einem Stil sprechen kann, veränderte sich durch die Neuanschaffungen kaum. Vielmehr fotografierte ich weiterhin so ziemlich alles, was ich für interessant hielt. Irgendwann fing ich dann mehr und mehr an, mich mit Blitzlicht zu beschäftigen und bekam so automatisch etwas Abstand zur Landschafts- und Naturfotografie. Eine logische Schlussfolgerung, vor allem von denjenigen, die mich und meine Bilder kennen, wäre, dass das der Zeitpunkt sei, an dem ich endlich „meine fotografische Richtung“ gefunden hätte. Doch dieser Punkt kommt noch ein ganzes Stück später. Im späten Frühjahr 2012 richtete ich mir ein kleines „Heimstudio“ ein, hauptsächlich aus improvisierten Baumarktlösungen für Hintergrund & Co. Einfach nur um einmal reinschnuppern zu können, in die Welt der Studiofotografie. Als Lichtquellen kamen damals günstige Yongnuo YN560 Blitze zum Einsatz, sprich manuelle Aufsteckblitze. Das hat sich bis heute nicht geändert. In puncto Preis/Leistung waren die Geräte einfach unschlagbar, Studioequipment war einfach zu teuer. Was ich im ersten Moment noch gar nicht wusste, war die Tatsache, dass Aufsteckblitze einen entscheidenden Vorteil gegenüber den meisten Studiogeräten haben: Die Abbrennzeit.

Der nächste Punkt, der gleichzeitig auch Auslöser für die entscheidende Wendung vom „Alles-Knippser“ hin zur Portraitfotografie darstellte, war ein Kapitel, welches vielleicht nicht ganz so viele von euch durchgemacht haben: Die Highspeed-Fotografie.

Eine Bewegung mit einfachen Mitteln einfrieren zu lassen faszinierte mich enorm. Man konnte im fertigen Bild Dinge wahrnehmen, die man mit dem bloßen Auge nie erkennen würde. Ich erinnere mich noch gut an das erste Projekt, meiner Meinung nach wohl das Standartrezept für den Einstieg in die Fotografie mit extrem kurzen Belichtungszeiten: Früchte ins Wasser fallen lassen. Die Ergebnisse waren für mich damals mehr als zufriedenstellend, wenn ich mir die Bilder heute noch einmal anschaue, fallen mir mindestens 5 Punkte auf, was man hätte besser machen können. Aber das ist auch gut so, man merkt eben, dass man sich weiter entwickelt hat. Nach dem Fallobst mussten unzählige, mit Wasser gefüllte Luftballons eine Nadeltortur über sich ergehen lassen. Die hohe Anzahl an Versuchen entstand vor allem dadurch, dass es nicht gerade einfach ist in einem stockfinsteren Raum einen von der Decke hängenden Luftballon mit einer Nadel zu zerstechen und gleichzeitig auf den Auslöser der Kamera zu drücken. Eine Sache die ich beim Projekt mit den Früchten noch nicht so ganz beachtet habe, als ich vor lauter Begeisterung einfach drauf los fotografiert habe:

Beim Fotografieren mit Blitz kann man sich die Abbrennzeit zu Nutze machen. Diese liegt bei Systemblitzen wie dem Yongnuo YN560 deutlich unterhalb der Belichtungszeit, die man unter normalen Bedingungen mit einer Spiegelreflexkamera erreichen könnte. Hier liegt die kürzeste Verschlusszeit mechanisch bedingt ja meist bei 1/8000 Sekunde, bei günstigeren Modellen sogar nur bei 1/4000 Sekunde. Bei einem Aufsteckblitz hingegen beträgt die Abbrennzeit, also die Zeit, in der der Blitzkopf aufleuchtet oft weniger als 1/10.000s. In einem nahezu licht-leerem Raum ersetzt damit die Abbrennzeit des Blitzes die Belichtungszeit der Kamera, da ja nur belichtet wird, solange der Blitz aufleuchtet. In der Praxis ist das natürlich nicht so leicht umzusetzen, aber wenn man einen Raum so gut wie möglich verdunkelt wird das vorhandene Restlicht durch Blende und Verschluss der Kamera gut „rausgefiltert“. Hierbei ein kleiner Tipp: Beim Fotografieren mit Blitzlicht regelt die Blende die Blitzbelichtung und die Verschlusszeit die Belichtung durch das Umgebungslicht. Durch die kurze Abbrenndauer des Blitzes macht es wenig Unterschied ob man mit einer 1/100s oder einer 1/50s belichtet, da der Blitz in beiden Fällen ja seine ganze Leistung in viel kürzerer Zeit abgibt. Hier muss man über die Blende oder die Leistungseinstellung des Blitzlichts die Blitzbelichtung regulieren. Der Hintergrund allerdings, der ja nicht vom Blitz ausgeleuchtet wird, wird im Bild mit 1/50s deutlich heller sein als im Bild mit 1/100s.

Die Highspeed-Fotografie begeisterte mich, aber die Möglichkeiten waren eingeschränkt. Ohne komplexere Auslösetechniken bleiben einem eigentlich nur die Standardbilder mit Wasser, Staub oder ähnlichem. Zerplatzende Objekte, die von Gewehrkugeln getroffen werden überließ ich dann doch den Profis mit ihren Lichtschranken, Sound-Auslösern und Computersteuerungstechnik.

Mehlshooting

Ein anderer Bereich der immer ein wenig nebenher lief, waren die Portraits von Freunden und Bekannten. Durch Zufall stieß ich bei der Suche nach neuen Ideen auf eines dieser ‚Mehlshootings‘, wie wir sie wohl alle aus einer der ersten Germanys Next Topmodel Staffeln kennen. Ich hatte keine zu großen Erwartungen als ich im Juli 2012 mit zwei Freundinnen, einigen Packungen Mehl, meiner Kamera und zwei Kompaktblitzen an der Location, einer alten Industriehalle aufschlug. Nach einem kleinen Rundgang entschied ich mich für einen Nebenraum, etwa 5 x 4 Meter groß, der ausreichend Bewegungsfreiheit bot, aber dennoch dunkel genug war, dass das Umgebungslicht nicht stören würde. Die Blitze wurden schnell aufgebaut, ohne weitere Lichtformer, nur mit diesen kleinen Aufsteckdiffusoren. Zum Schutz vor Staub noch einen Gefrierbeutel drüber und unten mit Tape am Stativ abgedichtet. Damit konnte das Shooting eigentlich schon losgehen. Nach ein paar Testbildern ohne Mehl waren zumindest die richtigen Belichtungseinstellungen gefunden, das Gefühl, dass die Leistungseinstellung an den Blitzen passt war auch da. Man sollte nämlich im Hinterkopf behalten, dass die Abbrennzeit in der Regel geringer ist, wenn die Blitzleistung gesenkt wird. Da wir aber mit reiner Blitzbelichtung arbeiten wollen muss man einen Zwischenweg finden, denn mit einer 1/128 Einstellung am Blitz mit Leitzahl 56 kann man keinen ganzen Raum ausleuchten. Man könnte nun auch die ISO Zahl erhöhen oder die Blende weiter aufmachen, das ist richtig. Damit wäre das Bild zwar heller, aber dann belichten wir mit mehr Umgebungslicht, was wiederum schlecht für die Hochgeschwindigkeitsaufnahme ist. Die Blitzeinstellungen zwischen 1/32 und 1/8 waren ideal für die vorhandene Location, mit ISO200 und einer Blende 4 ging auch alles in Ordnung.

Von der technischen Seite war alles vorbereitet, es galt also nur noch das Problem des „Mehlwerfens“ zu lösen. Das übernahm freundlicherweise jeweils das andere Model und nach einigen Versuchen klappte alles perfekt. Die Bilder auf dem Kameradisplay riefen bei jedem von uns drei den WOW-Effekt hervor, weil eigentlich niemand so wirklich damit gerechnet hatte, dass das Shooting so gut funktioniert.

strobefront_mehlshooting-2

Ich glaube es waren die Bilder nach diesem Shooting, die mich dazu bewegt haben mehr im Bereich People- und Portrait-Fotografie umzusetzen, womit ich seit Mitte 2012 auch fast ausschließlich beschäftigt bin. Im Frühjahr dieses Jahres folgte dann ein zweites Mehlshooting mit einem befreundeten Hobbyfotografen, bei dem wir sogar komplett Outdoor unterwegs waren. Die beiden seitlichen Blitze wurden diesmal mit Farbfolien versehen und ein weiterer, weißer Blitz mit Softbox kam frontal dazu um einen schönen Farbverlauf zu erzeugen. Für ein Shooting mit so viel Umgebungslicht sind die Ergebnisse sehr zufriedenstellend für alle Beteiligten geworden, wenn auch qualitativ nicht ganz so gut wie die des ersten Shootings. Es wird sicher nicht das letzte Projekt mit Highspeed-Fotografie in Kombination mit Portrait-Fotografie gewesen sein und ich hoffe, ich konnte einigen Leuten ein wenig Mut machen und ein paar Anregungen geben, selbst einmal ein wenig in diese Richtung zu experimentieren.

Florian Schlund

1 Kommentar

  1. Hallo, hab mit Interesse Deinen Artikel gelesen und kann Dir nur zustimmen.
    Gruss Tanja

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