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Ein Gast erhält das Wort: Marco Wenzel

Gepostet am Sep 21, 2013 von | Keine Kommentare

Lauf an der Pegnitz

Der nächste Gast-Fotograf stellt sich und seine Arbeit vor

Ich freue mich, heute Teil 2 meiner Reihe “Ein Gast erhält das Wort” präsentieren zu können. Vor einiger Zeit hatte ich ja dazu aufgerufen, dass sie Fotoblogger aus der Region melden sollen für einen Gastbeitrag und eine Verlinkung auf meinem Blog. Teil 1 war bei den Lesern sehr beliebt…

Heute geht es mit Marco weiter und seiner Spezialität, der Panoramafotografie. Aber lassen wir ihn selbst zu Wort kommen:

Panoramanie

Der Gast-Fotograf in vierfacher Ausfertigung

Vielen Dank an Alexander, durch den meine Fotos auf diesem Wege einem größeren Kreis von Betrachtern zugänglich gemacht werden. Ich stelle mich mal kurz vor: Ich heiße Marco, bin 32 Jahre alt, von Beruf Diplomingenieur und Hobbyfotograf. Es macht mir Spaß, loszuziehen und Dinge zu dokumentieren, außergewöhnliche Ansichten zu produzieren und mich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Dies geschieht ausschließlich freiwillig, häufig spontan und hängt stark von Lust und Laune ab. Fotoaufträge habe ich noch nie angenommen, daran wird sich sicher auch in Zukunft nichts ändern – denn dann wäre das Knipsen kein Hobby mehr, sondern würde zu Pflicht werden und somit jeglichen Spaß verlieren.

Wie auf meiner Webseite und diversen Community-Profilen nicht zu übersehen ist, liegt mein Schwerpunkt auf der Panoramafotografie. Ich bezeichne diese Vorliebe auch gerne als “Panoramanie”, weil ich fast schon als Sucht empfinde, in nahezu allen möglichen Situationen fotografische Rundumansichten zu produzieren. Häufig führt dies zu ungläubigem Staunen bei den Betrachtern, da sich der Mensch oft schwer tut, Bilder zu interpretieren, die er mit bloßem Auge eigentlich nicht wahrnehmen kann. Besonders 360°-Ansichten kann das Gehirn nur schwer verarbeiten, da dieser Blickwinkel weit größer ist, als der des menschlichen Auges (ca. 150°). Aber genau das macht meiner Meinung nach den Reiz von Panoramafotos aus. Wenn ich die Einzelfotos eines solchen Bildes aufnehme, weiß ich selbst noch nicht, wie das Endergebnis aussehen wird. Die Überraschung (oder auch Enttäuschung) kommt erst nach dem Zusammensetzen der einzelnen Bilder.

360°-Ansicht des Casinos im alten Quelle-Gebäude Nürnberg

Mit nunmehr gut zehn Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet, möchte ich ganz frech behaupten, die wichtigsten Tricks und Kniffe gelernt zu haben – trotzdem stoße ich immer wieder auf Hürden und Probleme, die ich irgendwie lösen muss. Der Lernprozess hört also nie auf – das ist auch gut so und erhält die Freude an diesem Hobby. Angefangen hat alles mit geliehenen Kompaktkameras von Freunden und Freihandaufnahmen von Gebäuden oder Landschaften. Mittlerweile bin ich im DSLR-Segment mit halbwegs ordentlichen Objektiven und einem Panoramaadapter auf dem Stativ gelandet. Dies ermöglicht es mir, Panoramen bei schwierigen Lichtverhältnissen oder ungewöhnlichen Umgebungen zu erstellen. Auch habe ich meine ersten Panoramafotos noch “von Hand” zusammengefügt – heute benutze ich dafür sehr zuverlässige Softwarekomponenten. Aber alles der Reihe nach – meinen “Workflow” erkläre ich noch im Detail.

Wie in allen Bereichen der Fotografie ist es am wichtigsten, das richtige Gespür für Motive zu bekommen – nicht jeder Ort eignet sich gut für Panoramaaufnahmen. Aber besonders Situationen, in denen man es gar nicht erwartet, geben häufig die erstaunlichsten Ergebnisse her. Eine weitere große Herausforderung ist das Licht. Die Einzelaufnahmen eines Panoramafotos müssen alle mit exakt den gleichen Einstellungen aufgenommen werden, damit Belichtung und Farbgebung beim späteren Zusammensetzen aufeinander abgestimmt sind. Besonders bei 360° Aufnahmen mit sehr hellen und dunklen Bereichen in einer Szenerie ist es oft schwierig, die richtige Kombination aus Blende, Belichtungszeit und ISO-Empfindlichkeit zu finden. Um einen kleinen Toleranzbereich zu erhalten fotografiere ich deshalb immer in RAW. Prinzipiell ist die Art der Kamera aber nicht entscheidend – auch Kompaktknipsen können, sofern sie manuelle Belichtungseinstellungen ermöglichen, sehr anschauliche Ergebnisse produzieren. Was die Wahl der Objektive bei DSLRs angeht, gibt es nur eine Regel: Je größer die Brennweite, desto mehr Fotos benötigt man. Mit meinem 8mm Fisheye kann ich mit 5 Fotos den kompletten Bereich von 360×180° abdecken. Ein 10mm Weitwinkelobjektiv verlangt schon mindestens 16 Fotos für eine solche Abbildung. So genannte Gigapixel-Panoramen werden mit Teleobjektiven jenseits der 400mm aufgenommen und beinhalten nicht selten mehrere tausend Einzelaufnahmen.

Schwierige Lichtsituation - helles Fenster und dunkle Bereiche seitlich

Schwierige Lichtsituation – helles Fenster und dunkle Bereiche seitlich

Unablässig bei der Erstellung von fehlerfreien Panoramen ist außerdem ein so genannter Nodalpunktadapter. Ich selbst benutze einen Nodal Ninja 3 mit allerlei Zubehör. Ein solcher Panoramakopf ermöglicht es, die Kamera exakt um die so genannte Eintrittspupille des Objektivs zu drehen. Beim Drehen der Kamera werden dann alle Einzelfotos ohne Verschiebung der Perspektive aufgenommen. Die Software tut sich anschließend wesentlich leichter, das Panorama zu erstellen, weil die überlappenden Bereiche der Einzelbilder perspektivisch zusammen passen. Dies macht sich ganz besonders bei sehr nahen Objekten bemerkbar. Während man bei Landschaftsaufnahmen noch Freihand oder auf einem normalen Stativkopf fotografieren kann, geht bei Innenraumpanoramen kein Weg an einem Panoramakopf mehr vorbei. Üblicherweise haben Nodalpunktadapter noch einen Klickstop Rotator mit dessen Hilfe der Kopf um definierte Winkel gedreht werden kann. Dadurch sind die Abstände zwischen den Einzelfotos identisch und ein ausreichender Überlappungsbereich (empfohlen sind 20-30%) garantiert. Damit ein Panoramafoto am Ende auch einen geraden Horizont vorweist (häufig sieht man “wellige” Linien), ist es sehr hilfreich noch zusätzlich eine Nivelliervorrichtung einzusetzen, die die präzise horizontale Ausrichtung des Stativkopfes ermöglicht.

Panorama auf engstem Raum - hier ist der Nodalpunktadapter unverzichtbar

Panorama auf engstem Raum – hier ist der Nodalpunktadapter unverzichtbar

Sind die technischen Voraussetzungen erfüllt, geht es endlich ans Fotografieren. Bei der Aufnahme von 360°-Panoramen ist es oft ratsam, dass alle Objekte (z.B. Häuser rund um einen Marktplatz) etwa den gleichen Abstand von der Kamera haben sollten, damit sie am Ende auch gleich groß wirken. Es ist also ratsam, sich immer mal wieder im Kreis zu drehen, um den besten Standpunkt für die Kamera zu finden. Sind die richtigen Belichtungseinstellungen ermittelt (hierfür ruhig die Kamera auch schon einmal im Kreis drehen und Belichtungsmessungen durchführen), kann es losgehen. Bei sehr belebten Orten oder dort, wo sich viele Objekte bewegen hilft es, von einer Einstellung mehrere Aufnahmen zu tätigen. Diese kann man beim Zusammensetzen dann beliebig austauschen, um eventuell störende Objekte aus dem Gesamtbild zu entfernen. Ansonsten sind – wie in allen anderen Bereichen der Fotografie auch – der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

360° in der Mitte des Hauptmarktes Nürnberg - so wirken alle Gebäude gleichgroß

360° in der Mitte des Hauptmarktes Nürnberg – so wirken alle Gebäude gleichgroß

Sind die Einzelfotos erst einmal aufgenommen, geht es an die Bearbeitung. Wie schon erwähnt, kann man schwierige Lichtverhältnisse bis zu einem gewissen Grad mit einem RAW-Entwickler kompensieren. Auch einen versehentlich falsch eingestellten Weißabgleich kann man sehr gut nachziehen, ohne dass Bildinformation verloren geht. Wichtig ist aber auch hier: Alle Fotos müssen mit exakt den gleichen Entwicklungseinstellungen exportiert werden. Um Qualitätsverluste zu vermeiden, verwende ich für den Export ein verlustfreies Bildformat wie TIFF. Die entwickelten Einzelbilder werden anschließend in eine Stitching-Software geworfen, welche sie – sofern man alle wichtigen Hinweise beachtet hat – recht zuverlässig zusammenfügt. Hier kann man dann sich eine gewünschte Projektionsart aussuchen. Je nach Belieben kann man zwischen der herkömmlichen sphärischen Ansicht, zylindrischer Darstellung, stereografischer Projektion (häufig genutzt für “Little Planets”) oder zahlreichen anderen wählen. Das fertige Panorama verarbeite ich im Anschluss meist noch etwas nach. Der Ausschnitt muss festgelegt und eventuell Helligkeit und Kontrast bzw. die Farbgebung noch etwas korrigiert werden. Anschließend wird das Bild auf die gewünschte Größe skaliert und etwas nachgeschärft. Fertig!

Little Planet mit Hilfe von stereografischer Projektion

Little Planet mit Hilfe von stereografischer Projektion

Leider ist es bei dem Thema aber kaum möglich, im Rahmen eines Blogeintrags auf alle Details einzugehen. Viele Tricks und Kniffe würden den Text nur unnötig in die Länge ziehen. Trotzdem helfe ich gerne und gebe Tipps – kontaktiert mich also einfach über meine Webseite. Nachfolgend möchte ich euch noch eine kleine Sammlung meine Lieblingspanoramen bzw. aktuellen Aufnahmen zeigen. Detailinfos oder ausführliche Beschreibungen möchte ich dazu nicht angeben, sondern die Bilder so wirken lassen, wie sie sind!

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